Dieser Artikel ist für Menschen geschrieben die sexuelle Gewalt erlebt haben oder jemanden kennen dem das passiert ist. Was ich hier beschreibe basiert auf meiner Arbeit als Psychologe und Forscher im Bereich sexuelle Gewalt und Prävention. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg mit dieser Erfahrung umzugehen. Aber es gibt Schritte die in den ersten Stunden und Tagen helfen können.
Die ersten Stunden nach einem Übergriff
Das Wichtigste zuerst: Du bist nicht schuld. Egal was vorher passiert ist, egal wo du warst, egal was du getragen hast. Die Verantwortung liegt ausschließlich beim Täter. Dieser Satz klingt einfach, aber viele Betroffene brauchen Monate um ihn wirklich zu glauben. Ich sage ihn trotzdem am Anfang, weil er von Anfang an wahr ist.
In den ersten Stunden nach einer Vergewaltigung befinden sich viele Betroffene in einem Schockzustand. Manche fühlen gar nichts. Manche weinen unkontrolliert. Manche funktionieren wie auf Autopilot. Alle diese Reaktionen sind normal. Dein Körper und dein Gehirn verarbeiten ein Trauma und jeder Mensch tut das anders.
Wenn du kannst, bringe dich an einen sicheren Ort. Das kann die Wohnung einer Freundin sein, ein Elternhaus, eine Beratungsstelle. Irgendwohin wo du dich geschützt fühlst. Ruf jemanden an dem du vertraust. Du musst das nicht allein durchstehen.
Medizinische Versorgung und Spurensicherung
Ich empfehle dringend so schnell wie möglich ein Krankenhaus aufzusuchen. Nicht nur wegen möglicher Verletzungen, sondern auch wegen der Spurensicherung. In Brandenburg bieten mehrere Kliniken eine vertrauliche Spurensicherung an, auch ohne dass du sofort Anzeige erstatten musst. Die Spuren werden aufbewahrt und du kannst später entscheiden ob du zur Polizei gehst.

Versuche vorher nicht zu duschen, dich umzuziehen oder Kleidung zu waschen. Ich weiß dass das ein unerträglicher Gedanke ist. Der Impuls sich zu reinigen ist völlig verständlich. Aber die Spuren an deinem Körper und deiner Kleidung können später entscheidende Beweise sein, falls du dich für eine Anzeige entscheidest.
Die ärztliche Untersuchung umfasst auch Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten und eine Beratung zur Notfallverhütung. Alles wird dokumentiert und du entscheidest in jedem Schritt was passiert. Niemand macht etwas ohne deine Zustimmung.
Anzeige erstatten oder nicht
Diese Entscheidung liegt bei dir. Nur bei dir. Niemand darf dich dazu drängen und niemand darf dich dafür verurteilen wenn du es nicht tust. Eine Anzeige nach einer Vergewaltigung ist ein schwerer Schritt. Das Verfahren kann belastend sein und die Aufklärungsquote ist in Deutschland nach wie vor zu niedrig.
Gleichzeitig sage ich meinen Klienten: Eine Anzeige kann helfen. Sie kann verhindern dass der Täter anderen Menschen dasselbe antut. Sie kann Teil des eigenen Verarbeitungsprozesses sein. Und mit anwaltlicher Begleitung und psychologischer Unterstützung ist der Weg machbar.
In Brandenburg kannst du dich vor einer Anzeige kostenlos bei einer Opferberatungsstelle informieren. Die beraten dich über deine Rechte, den Ablauf und begleiten dich auf Wunsch zur Polizei. Du musst dort nicht allein hingehen.
Hilfe nach Vergewaltigung in Brandenburg

Brandenburg hat ein Netzwerk an Anlaufstellen für Betroffene sexueller Gewalt. Hier sind die wichtigsten Kontakte:
Die Opferhilfe Brandenburg bietet kostenlose Beratung für Betroffene von Sexualstraftaten. Telefonisch, persönlich oder online. Die Beratung ist vertraulich und auf Wunsch anonym. Der Weiße Ring ist bundesweit aktiv und unterstützt Opfer mit psychologischer Begleitung, finanzieller Soforthilfe und juristischer Beratung. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist unter 116 016 rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und in mehreren Sprachen verfügbar.
Für männliche Betroffene, und ja auch Männer werden Opfer sexueller Gewalt, gibt es spezialisierte Beratungsstellen wie die Männerberatung Brandenburg. Sexuelle Gewalt kennt kein Geschlecht und Hilfe steht allen offen.
Die Zeit danach und warum professionelle Hilfe wichtig ist
Die Wochen und Monate nach einer Vergewaltigung verlaufen bei jedem Menschen anders. Schlafstörungen, Flashbacks, Angst vor Berührungen, Rückzug aus dem sozialen Leben, Scham, Wut. All das sind normale Reaktionen auf ein abnormales Ereignis. Du bist nicht kaputt. Dein Körper und dein Geist verarbeiten etwas das nicht hätte passieren dürfen.
Professionelle Hilfe macht einen Unterschied. Traumatherapie, insbesondere EMDR und traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie, hat sich in der Behandlung von Vergewaltigungstraumata als wirksam erwiesen. Dein Hausarzt kann dich an spezialisierte Therapeuten überweisen. In Brandenburg gibt es zudem Traumaambulanzen die zeitnah Termine anbieten.
Mein wichtigster Rat: Gib dir Zeit. Heilung ist kein linearer Prozess. Es gibt gute Tage und schlechte Tage. Beides gehört dazu. Und du verdienst Unterstützung auf dem gesamten Weg.

Prävention beginnt bei uns allen
Als Psychologe und Forscher arbeite ich nicht nur mit Betroffenen sondern auch an Prävention. Sichere Räume schaffen, Aufklärung betreiben, Warnsignale erkennen. In meinem Blog schreibe ich deshalb auch über sichere Sextreffen Websites und worauf du bei Online-Kontakten achten solltest. Wer sich in Städten wie Bremen verabredet findet dort konkrete Tipps. Und wer wissen will wie man sich in Clubs und auf Partys vor K.O. Tropfen schützt, findet dort meinen Präventionsguide.
Sexuelle Gewalt ist nie die Schuld des Opfers. Aber Wissen über sichere Treffen, vertrauenswürdige Plattformen und Warnsignale kann dazu beitragen Risiken zu minimieren. Das ist kein Widerspruch. Das ist Selbstfürsorge.
